(RP) Für viele Leute ist Schießen kein Sport: Man stehe ja nur herum und komme nicht ins Schwitzen. Doch Jessica Mager vom Post-Telekom-SV weiß, dass es anders ist. „Beim Schießen spielen viele Komponenten eine Rolle, kognitive, emotionale und physische“, erzählt die 18-Jährige.
„Die Pumpe geht, die Brühe läuft, Adrenalin jagt den Kreislauf in die Höhe. Den Körper unter Kontrolle zu halten, um den nächsten Schuss ruhig ins Ziel zu bringen, das ist eine der Herausforderungen, warum ich schieße.“
Meistens bewältigt sie die Herausforderung. Die gebürtige Solingerin ist eines der großen deutschen Talente mit Luft- und Kleinkalibergewehr. Deutsche Junioren-Meisterin 2005 war sie, ist aktuell Erste der Junioren-Rangliste des Deutschen Schützenbundes (DSB) und schießt in der Luftgewehr-Bundesliga für die Postler. So auch morgen, wenn im Sportpark Niederheid das letzte Erstligaschießen der Saison ansteht. Für die Düsseldorfer geht es zwar um nichts mehr - der Klassenerhalt ist gesichert, das Finale nicht mehr drin. „Aber wir werden vor heimischen Publikum noch mal alles geben. Das ist doch Ehrensache“, sagt Mager.
Bisher stehen 6:6 Zähler zu Buche. Die Chancen, positiv aus der Saison zu kommen, sind gut, denn die SG Tell Dietzenbach steht als Absteiger fest. Für Jessica Mager ist die Bundesliga eine ausgezeichnete Vorbereitung auf große Einzelmeisterschaften. „Man hat immer neue Gegner, muss sich immer neu einstellen, auf die Atmosphäre, die Zuschauer. Es ist jedes Mal aufregend, und jedes Mal bin ich nervös.“
In diesem Jahr will sie zur Luftgewehr Junioren-Europameisterschaft nach Deauville/Frankreich (14. bis 18. März). Nur drei deutsche Schützinnen qualifizieren sich dafür. „Irgendwann möchte ich bei Olympischen Spielen dabei sein. Das Ziel zu erreichen, wird eine Menge Energie kosten, aber die werde ich aufbringen“, sagt Mager. 15 Stunden pro Woche trainiert sie schon für Olympia. „Nebenher“ macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin. Oft genug kommt ihr Hobby Tanzen zu kurz.
Seit Jessica 18 Jahre alt ist, kann sie wenigstens allein zum Training fahren. „Meine Eltern haben für Training und Wettkämpfe immer Taxi gespielt. Was sie an Zeit, Geld und Engagement für mich investiert haben, ist enorm“, erläutert die Schützin. Beim Post-Telekom-SV trainiert sie zusammen mit einer ehrgeizigen und jungen Truppe, die noch große Ziele anpeilt - wie die EM-Qualifikation in München (24. bis 28.Januar).